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Bilge Kaya - Vergoldung 4.0: Neue Möglichkeiten einer Vergoldung

Als Vergoldung bezeichnet man das Überziehen metallischer und nichtmetallischer Gegen-stände mit Gold und Goldlegierungen. In der Schmiedekunst werden hochwertige Arbeiten mit Blattgold farblich akzentuiert oder auch ganzflächig vergoldet. Die meisten industriellen Goldüberzüge werden durch galvanotechnische Verfahren aufgebracht, um eine optische Veredelung, Korrosionsschutz oder eine Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit zu erreichen. Durch Variation von Temperatur, Spannung bzw. Stromstärke und Elektrolysezeit lassen sich Schichtdicken von 0,1 µm bis 200 μm erzeugen.

Nicht alle Untergründe eignen sich gleich gut für das galvanische Vergolden. Kupfer hat die Tendenz, durch die dünne Goldschicht zu diffundieren und dort an der Oberfläche zu oxi-dieren. Aluminium neigt beim Kontakt mit Gold zur Bildung der intermetallischen Verbindung AuAl2  Bei der PVD-/CVD-Methode sowie dem Sputtern wird das Metall als Golddampf auf das zu beschichtende Werkstück niedergeschlagen. Kunststoffe wie CDs und andere empfindliche Materialien lassen sich dadurch mit Gold beschichten.

Bei der Einbrennvergoldung wird durch speziell präparierte Lösungen oder Paste von goldorganischen Verbindungen und Haftvermittlern ein metallischer Goldauftrag auf glas-artigen Körper hergestellt. Das Verfahren wird zum Beispiel zum Vergolden von Porzellan, Fliesen und Gläsern eingesetzt. Die Brenntemperaturen betragen ca. 500–1000 C. Diese Einbrenngolde können durch Pinsel-, Siebdruck ortselektiv aufgebracht werden.

Die moderne Elektronik ermöglicht, diese Einbrenngolde auch ortsselektiv über Inkjet-Druckverfahren aufzubringen. Beim Inkjet-Druck werden Tröpfchen über einen Druckkopf auf Substrat abgegeben. Dabei findet keine Berührung zwischen dem Druckkopf und dem Substrat statt. Mit dieser Technik lassen sich digitale Zeichnungen einfach als strukturierte Beschichtung realisieren. Für dieses Verfahren stehen zwei Arten von goldhaltigen Tinten zur Verfügung; erstens für Substrate mit niedrigem Schmelzpunkt (ca. 250°C), zweitens eine für die klassische Einbrenngolde (500-1000°C).

Mit dem Inkjet-Gold-Digitaldruck lassen sich hochwertige und konturscharfe Dekore mit einer Trennschärfe von min 50µm und einer Schichtdicke von etwa 150-200nm erstellen. Die Schichtdicke kann durch mehrmaliges Aufdrucken und Einbrennen erhöht werden. Das mit diesen Goldtinten bedruckte Substrat wird bei einer Einbrenntemperatur von ca. 250-1000°C behandelt. So kann eine Golddünnschicht nicht nur auf Glas und Keramik, sondern auf viele Produkten aus Aluminium, Edelstahl und Hochleistungs-Kunststoffe ortsselektiv aufgebracht werden.

Der Digitaldruck ermöglicht eine flexible und individualisierbare Golddünnschicht. Designs können so gegenüber herkömmlichen Druckverfahren flexibler und einfacher geändert werden – und auch kleinste Auflagen bis hin zum Einzelstück lassen sich so besonders wirtschaftlich produzieren. Für die Dekorationsindustrie bedeutet dies eine Minimierung der Zeit und der Kosten für den Druck. Außerdem entstehen mit dem Einsatz dieses Verfahrens viele neue technische Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere für die Elektronik- und Medizinindustrie. Beispielweise können Leitbahnen auf geeignete Hochleistungs-Polymere aufgebracht werden.